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08 | 09 | 2010
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Psychotherapie - Seite 2
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von Dipl.-Psych. Ruth Stenner, Köln 

Psychotherapie bei Adipositas


Adipositas ist nach Ansicht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) keine psychische Erkrankung, keine Essstörung wie Magersucht oder Bulimie. Um eine Psychotherapie auf Kosten der Krankenversicherung durchzuführen, muss aus therapeutischer Sicht eine psychische Erkrankung diagnostiziert werden, wie zum Beispiel Depressionen, Borderline-Persönlichkeitsstörung, Panikstörung. Ob diese der Adipositas folgten oder vorangingen, ist für eine Kostenzusage unerheblich.

Der Antrag an die Krankenkasse zur Kostenübernahme auf Verhaltenstherapie erfolgt von therapeutischer Seite, der behandelnde Hausarzt oder Psychiater muss einen so genannten „Konsiliarbericht“ ausfüllen und bestätigen, dass aus ärztlicher Sicht nichts gegen eine Psychotherapie spricht. Es können im Rahmen des Antrags auf  Verhaltenstherapie 25 oder 45 Sitzungen beantragt werden, die meist im wöchentlichen Rhythmus stattfinden, eine Verlängerung auf 60 oder gar in besonderen Fällen auf 80 Sitzungen ist möglich.

Es gibt verschiedene weitere Therapierichtungen, deren Durchführung von der Krankenkasse übernommen werden, da diese sich als wirksam erwiesen, das sind neben der Verhaltenstherapie, die Psychoanalyse und die tiefenpsychologisch fundierte Therapie.

Immer mehr Studien belegen, dass es in der Hauptsache nicht auf die gewählte Richtung ankommt, sondern in erster Linie auf die Beziehung zwischen Therapeut und Patient. Eine Liste von Therapeuten mit Kassenzulassung bekommt man bei der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung, die auch Auskunft darüber geben kann, wer wie spezialisiert ist und wo es freie Therapieplätze gibt.

Bei der Adipositastherapie muss, wie bei vielen anderen psychischen Erkrankungen, in mehreren Bereichen gearbeitet werden, die sich individuell aus den Ursachen der Adipositas ergeben, das bedeutet, dass in der Therapie unterschiedliche Themen unabhängig vom Essen bearbeitet werden. Zudem sollten auch andere Berufsgruppen an der Therapie beteiligt sein (Hausarzt, Physiotherapeut...).



Selbstbeobachtung

Hierbei geht es darum, erst das eigene Essverhalten und körperliche Aktivitäten zu beobachten und dazugehörige Situationen, Gedanken und Gefühle zu entdecken.

  • Steckt hinter einer Essattacke eine bestimmte auslösende, immer wiederkehrende Situation?
  • Wann geht es mir gut und gibt es Momente, in denen mir die Nahrungsaufnahme weniger oder keine Probleme bereitet?
  • Gibt es bestimmte Verhaltensweisen, die mich vom Essen ablenken und abhalten?

Hierdurch verändert sich die Selbstaufmerksamkeit - oft schon sehr wirkungsvoll und der Patient versteht sich besser.

1. Soziale Unterstützung und Belohnung

In der Therapie werden gemeinsam erreichbare Teilziele festgelegt, deren Umsetzung konkretisiert und ihre Erreichung verfolgt. Oft „bestrafen“ sich Menschen für nicht Erreichtes („Ich bin zu faul, um das zu schaffen“ etc.).
Im Rahmen der Therapie wird dieses System umgedreht: Klopfen Sie sich auf die Schulter, wenn sie ein Ziel erreicht haben! Wird ein Teilziel nicht erreicht, wird zusammen überlegt, woran es lag, ob Fähigkeiten dazu fehlten oder es „gedankliche Barrieren“ etc. gab.
Diese Ziele beinhalten keineswegs nur Essensthemen, sondern durchaus allgemeine Dinge wie das Sagen eigener Meinung, sich durchsetzen...

Oftmals stecken viele andere Themen hinter dem Thema „Essen“, was erst im Zuge mehrerer Gespräch offenbar wird. Oft sind auch Selbsthilfegruppen hilfreich, in denen sich Mitglieder gegenseitig Unterstützung geben.

2. Körperliche Aktivität

Dabei soll möglichst die alltägliche Aktivität erhöht werden, zum Beispiel Treppenlaufen, zu Fuß kleinere Einkäufe erledigen und nicht gleich ein kilometerlanger Spaziergang. Diese soll langsam und den Interessen des Patienten entsprechend gesteigert und ausgebaut werden (Radfahren, Schwimmen, Nordic Walking...).

Es kann erörtert werden, woran es liegt, dass das Sofa siegt und die angestrebte Gymnastik nicht getätigt wird. Wie kann die Motivation gesteigert und stabilisiert werden, sich mehr zu bewegen? Oft hilft es, sich zu verpflichten und mit anderen Personen zu verabreden, sich das gute Gefühl danach vorzustellen und sich das langfristige Ziel vor Augen zu halten.

 



 
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